Wie Sie Ihr Keyword-Universum zum Google Visibility-Report ausbauen und damit digitales Wachstum planen und nachhalten

Planen und Messen: Der Google Visibility-Report als Tool für wirksames Content Marketing

Building Components Arranged On House Plans

Es sagt sich leicht und klingt banal: Content Marketing – Marketing ganz allgemein! – ist kein Selbstzweck. Niemand investiert Geld in Marketingmaßnahmen, „weil man das eben so macht“. Wir alle rechnen und planen. Am Ende dient jede Form des Marketings dazu, Verkäufe und damit Umsatz zu generieren. Jede einzelne Marketingmaßnahme muss sich daran messen lassen, was sie zu diesem Ziel beiträgt. Das gilt selbstverständlich auch fürs Content Marketing. Zwar ist Content Marketing ein langfristig und strategisch wirkender Ansatz. Deshalb gilt aber der Rechtfertigungszwang hier nicht weniger, sondern sogar umso mehr. Denn langfristig und strategisch bedeutet: Das braucht Zeit. Und Zeit ist bekanntlich – Geld.

Wir müssen also, schon bevor wir als Content Marketer aktiv werden, uns genau überlegen, was wir erreichen können und was wir erreichen wollen. Wir müssen Ziele definieren und aus diesen Zielen Maßnahmen ableiten. Und diese Maßnahmen müssen wir, sobald wir an die Umsetzung gehen, ständig nachhalten und auf ihren Erfolg hin überprüfen. Wir müssen, kurz gefasst: Planen und messen. Wir befassen uns daher in diesem Artikel mit der Erweiterung eines Keyword Universe zum Google Visibility Report und damit zum Planungs- und Controlling-Instrument. Es empfiehlt sich daher, zunächst unseren Artikel zum Aufbau eines ↘Keyword Universe zu lesen, denn dieses stellt die notwendige Grundlage eines Google Visibility Reports dar.

Long Tail-Keywords erfordern Strategie und Controlling

Wenn Sie bereits ein Keyword Universe erstellt haben, verfügen Sie bereits über eine Basis für Ihre künftige Wachstumsplanung (Planen!) und das darauf aufsetzende Controlling (Messen!). Der Traffic aus der generischen Google-Suche wird mit einiger Sicherheit einen hohen Anteil am Gesamttraffic Ihrer Website haben. Das Keyword Universe gibt Ihnen eine erste Übersicht, wie hoch dieser Traffic werden kann, sofern Ihre Website zu den im Keyword Universe enthaltenen Suchbegriffen über Sichtbarkeit verfügt oder diese mit der Zeit aufbaut.

Dieser Prozess ist allerdings sehr kleinteilig und gleichzeitig langfristig angelegt. Ihr Keyword Universe enthält, je nach Komplexität des Themas Ihrer Website, hunderte relevanter Keywords. Von diesen Keywords sind einige relevanter als andere (d.h. mit mehr Suchvolumen hinterlegt), weshalb ein gutes Ranking Ihrer Website zu diesen Keywords ein vorrangiges Ziel Ihrer Strategie sein wird. Gleichzeitig jedoch müssen Sie damit rechnen, dass die Konkurrenz zu diesen Keywords besonders stark ausgeprägt ist (aufgrund ihrer Relevanz), weshalb es hier (sofern Ihre Website nicht bereits über gute Rankings verfügt) eine Zeit dauern kann, bis Ihre Website gute Sichtbarkeit erreicht hat. Die „Long Tail-Keywords“ Ihres Keyword Universe sollten Sie daher ebenfalls nicht vernachlässigen. Dies sind diejenigen Keywords, deren Relevanz innerhalb Ihres Keyword Universe aufgrund des geringeren Suchaufkommens hinter diesen Keywords zwar jeweils kleiner ist, die aber aufgrund ihrer großen Anzahl (voraussichtlich wird es sich bei der Mehrheit der Keywords in Ihrem Keyword Universe um Long Tail-Keywords handeln) in Summe ebenfalls von hoher Relevanz für den langfristigen Aufbau Ihres Website-Traffics sein werden.

Zudem ist es sehr oft der Fall, dass die Konkurrenz um Google-Sichtbarkeit abseits der „großen“ Keywords (mit hohen Suchvolumina) schnell geringer wird. Die Relevanz offensichtlicher Blockbuster-Keywords ist den meisten bewusst, die um Google-Sichtbarkeit im dazugehörigen Markt kämpfen. Wer etwa zum Thema „Content Marketing“ publiziert, dem ist klar, dass „Content Marketing“ auf offensichtlichen Gründen das entscheidende Keyword ist, zu dem er Google-Sichtbarkeit aufbauen muss, um den entsprechenden Search-Traffic auf die eigene Website zu lenken. Google selbst zeigt uns im Keyword-Planer, dass diese Annahme richtig ist: „Content Marketing“ wird rund 8.100-mal pro Monat gesucht. „Content Marketing“ ist damit die Mutter aller Keywords im Themenkomplex Content Marketing. Entsprechend umkämpft ist dieses Keyword allerdings auch. Denn jeder, der in diesem Markt aktiv ist, bemüht sich mit seiner Website um ein gutes Ranking zu diesem Schlüsselbegriff. Der KCI zum Keyword „Content Marketing“ zeigt dies deutlich. Mit 0,01 ist er niedrig und zeigt damit ein eher ungünstiges Verhältnis von Angebot (Anzahl Google-Listings bzw. Suchergebnisse) und Nachfrage (Anzahl Suchanfragen) an.

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Der Auszug aus dem Keyword Universe zeigt aber auch, dass sich im unmittelbaren thematischen Umfeld des Keywords „Content Marketing“ sofort etliche Long Tail-Keywords befinden, deren Relevanz aufgrund des erheblich kleineren monatlichen Suchvolumens zwar deutlich geringer ist, die jedoch aus eben diesem Grund auch sehr viel weniger stark umkämpft sind. So wird die ebenfalls sehr naheliegende und daher attraktive Suchphrase „was ist content marketing“ zwar monatlich nur rund 210-mal bei Google eingegeben. Es existieren dazu aber bislang auch nur rund 5.550 Angebote (Google-Listings). Das Verhältnis von Angebot (Anzahl Listings) und Nachfrage (Anzahl Suchergebnisse) ist hier daher sehr viel günstiger als beim Keyword „Content Marketing“, was im KCI von 0,45 zum Ausdruck kommt. An diesem Wert können Sie ablesen, dass es Ihnen aufgrund der deutlich geringeren Konkurrenz maßgeblich leichter fallen sollte, mit Ihrer Website ein gutes Ranking und damit Google-Sichtbarkeit zu diesem Keyword aufzubauen, als im Fall des stark nachgefragten und daher hart umkämpften Keywords „Content Marketing“.

Long Tail-Keywords sind daher attraktiv, denn Sie haben oft gute Chancen, mit ihrer Website schnell gut zu Ihnen zu ranken und so Google-Sichtbarkeit aufzubauen und Traffic auf Ihre Seite zu lenken. Sie sind daher unabdingbar für den Erfolg jeder Content Marketing-Strategie, die auf generischen Search-Traffic setzt. Der Begriff Long Tail beinhaltet freilich auch, dass ein gutes Ranking zu einem einzigen dieser Keywords Ihnen nicht viel helfen wird, da die Suchvolumina hinter diesen Keywords jeweils nur gering sind. Hier macht tatsächlich die Masse den Unterschied. Um sich den Longtail zu erschließen, und durch gute Rankings zu Long Tail-Keywords Website-Traffic in relevantem Umfang zu generieren, müssen Sie zu vielen dieser Keywords ranken. Und das bedeutet: Hier sind Strategie und Organisation gefragt. Sie müssen sauber planen und konsequent nachhalten, um hier erfolgreich zu sein. Denn wenn es um Rankings zu hunderten von Long Tail-Keywords geht, ist bei mangelhafter Organisation und unstrukturiertem Vorgehen Chaos vorprogrammiert. Und Chaos bedeutet: Verschwendete Zeit, unsere wertvollste Ressource im Content Marketing.

Das Keyword Universe wird zum Planungs- und Controlling-Instrument

Mit dem Keyword Universe verfügen Sie über einen Überblick über das Potential (Suchvolumen) der für das Thema Ihrer Website relevanten Keywords. Wollen Sie dieses Potential erschließen, müssen Sie Ihr Keyword Universe um die Aspekte Planung und Controlling ergänzen. Dazu entwickeln wir das Keyword Universe zum Google Visibility Report weiter. Ziel ist dabei, die im Markt vorhandenen Potentiale (Suchvolumina hinter den Keywords im Keyword Universe) mit dem Angebot Ihrer Website und der daraus entstehenden Google-Sichtbarkeit (Google-Visibility) in Relation zu setzen. Auf diese Weise können Sie sehen:

  • Wie Sie mit Ihrer Website bereits zu einzelnen Keywords – v.a. Long Tail-Keywords! – ranken
  • Wie gut entsprechend Ihre Google-Sichtbarkeit zu diesen Keywords ist
  • Zu welchen Keywords (und daher auch Themenbereichen) Ihre Website noch über keinerlei Sichtbarkeit und damit Relevanz verfügt
  • Wie hoch die durchschnittliche Google-Sichtbarkeit (und damit Relevanz) Ihrer Website zu allen in Ihrem Keyword Universe hinterlegten Suchbegriffen und damit zum Thema Ihrer Website insgesamt ist
  • Mit welchem Traffic Sie aus der generischen Google-Suche für Ihre Website in etwa (!) rechnen können

Aus diesen Daten wiederum können Sie wesentliche Rückschlüsse für die Entwicklung Ihrer Content Marketing-Strategie und die Organisation Ihrer täglichen Content Marketing-Aktivitäten sowie Ihr Ressourcen-Management ziehen:

  • Zu welchen Keywords sollten Sie versuchen, Google-Sichtbarkeit zu generieren, um so ausreichend Search-Traffic auf Ihre Website zu ziehen?
  • Welchen Content benötigen Sie dafür?
  • Welche Keywords besetzt Ihre Website bereits mit befriedigenden Rankings, die aber noch verbessert werden könnten, um so den darüber generierten Search-Traffic auf Ihrer Website zu erhöhen?
  • Welche Ziele setzen Sie sich bzw. Ihrem Content Marketing-Team und wie sieht Ihre entsprechende Planung aus?
  • Welche KPIs können Sie nutzen, um diese Planung zu evaluieren und nachzuhalten?

Um diese Schlüsse zu ermöglichen, müssen wir das bestehende Keyword Universe um einige Funktionen erweitern und zum Google Visibility Report ausbauen. Das entsprechende Formular lässt sich für den Anfang in Excel abbilden. Langfristig sollten Sie aber auch hier über eine eigenständige Programmierung nachdenken, die die Zuverlässigkeit erhöht und die Bedienung erleichtert. Der grundsätzliche Aufbau eines Google Visibility Reports sollte wie folgt aussehen. Das Beispiel beruht auf dem Keyword Universe eines Website-Projekts zum Thema 3D-Druck.

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Die Struktur des Google Visibility Reports (GVR)

Die Excel-Spalten A-G kennen wir bereits. Hier werden die Informationen abgebildet, die bereits im Keyword Universe enthalten sind:

  • Spalte A: Keyword-Vorschläge aus dem Google Keyword-Planer, die im thematischen Umfeld der Primary-Keywords des Keyword Universe stehen. Diese Keywords sind überwiegend Long Tail-Keywords mit jeweils für sich eher geringem Suchvolumen und daher begrenzten Relevanz
  • Spalte B: Primary-Keywords aus dem Keyword-Universe. Dies ist die Keyword-Basis, die genutzt wurde, um darauf mit Hilfe des Google Keyword-Planers (und evtl. einem ↘SEO-Tool wie Searchmetrics) das eigentliche Keyword Universe aufzubauen
  • Spalte D: Die monatlichen Suchvolumina (Anzahl Suchanfragen) zu den jeweiligen Keywords
  • Spalte E: Anzahl Google Listings, also die Menge der Suchergebnisse, die die Suchmaschine bei einer Suchanfrage zum jeweiligen Keyword liefert
  • Spalte F: Anzahl Annual Searches (Suchanfragen pro Jahr). Diese Zahl wird im Google Visibility Report automatisch mittels einer in Excel hinterlegten Formel generiert (Anzahl monatliche Suchergebnisse * 12)
  • Spalte G: Google KCI (Keyword Competition Index), also der Quotient aus der Anzahl der jährlichen Suchanfragen sowie der Anzahl der Google Listings. Der KCI wird ebenfalls mittels einer in Excel hinterlegten Formel generiert (Anzahl jährliche Suchanfragen / Anzahl Google Listings)

Damit ist das Keyword Universe samt seiner Auswertungslogiken, die Sie bereits kennen, vollständig im GVR hinterlegt. Interessant wird es jetzt mit den Excel-Spalten H-J:

  • Spalte H: In dieser Spalte wird die jeweilige Ranking-Position hinterlegt, auf der Ihre Website zum jeweiligen Keyword rankt. In der Excel-Zeile 9 wird in unserem Beispiel-GVR beispielsweise das Keyword (bzw. die Suchphrase) „100 beste Plakate“ aufgeführt (das immerhin monatlich 625-mal gesucht wird). Die Website aus unserem Beispiel-GVR rankt dazu auf der Position 12. Das bedeutet: In diesem Fall rankt die Website zu unserem Beispiel-GVR zu diesem Keyword auf der zweiten Google-SERP.
  • Spalte I: In dieser Spalte wird mittels einer in Excel hinterlegten Formel automatisch die aufgrund dieses Rankings der Website zu diesem Keyword zu erwartende Menge an Search-Traffic auf Jahresbasis (daher „Annual Impressions“) berechnet (also die Anzahl derjenigen Google-Suchanfragen, die tatsächlich zu Website-Besuchern, Search-Traffic, gewandelt werden, da derjenige, der die Suchanfrage stellt, über den Link auf der jeweiligen Google-SERP auf die Website durchklickt). Diese wird berechnet aus der Anzahl der jährlichen Suchanfragen (Annual Searches) und dem sogenannten „Google Visibility Index“ (GVI) aus der Excel-Spalte J (die Formel, mittels derer das geschieht, lautet: Anzahl jährliche Suchanfragen * GVI).
  • Spalte J: In dieser Spalte finden wir den entscheidenden Wert, den sogenannten GVI (Google Visibility Index), der uns eben bereits als entscheidender Bestandteil der Spalte J begegnet ist. Dies ist ein Prozentwert, der die Wahrscheinlichkeit beschreibt, dass derjenige, der eine Suchanfrage mit dem jeweiligen Keyword auf Google eingibt und (unter anderem!) unsere Website als eines der Suchergebnisse erhält, tatsächlich auf dieses Suchergebnis auf der Google-SERP klickt und so auf unsere Website gelangt. Dieser Prozentwert wird auf sehr einfache, stark standardisierte Weise vergeben:
    • Rankt unsere Website zum jeweiligen Keyword auf der ersten Google-SERP (also je nach SERP-Darstellung die Positionen 1-10), so beträgt der GVI 100%.
    • Rankt unsere Website zum jeweiligen Keyword auf der ersten Google-SERP (also je nach SERP-Darstellung die Positionen 11-20), so beträgt der GVI 5%.
    • Rankt unsere Website zum jeweiligen Keyword auf der ersten Google-SERP (also je nach SERP-Darstellung die Positionen 21-30), so beträgt der GVI 1%.

Sämtliche Rankings, die jenseits der ersten drei Google-SERPs liegen, werden in diesem System nicht mehr berücksichtigt. Ihr GVI beträgt grundsätzlich 0%. Sie sind damit aus Sicht des Content Marketers de facto unsichtbar und somit nutzlos. Tatsächlich zeigt die Erfahrung, dass ein Ranking jenseits von Position 30 und damit der 3. Google-SERP normalerweise so gut wie keine Wirkung mehr hat. Natürlich ist das eine grob vereinfachte Abbildung der jeweiligen Durchklickwahrscheinlichkeiten. In der Realität sind diese Werte sehr viel stärker differenziert und unterscheiden sich bereits auf der ersten Google-SERP nach einzelnen Ranking-Positionen ganz erheblich. Beim GVI geht es aber auch nicht so sehr darum, für einzelne Rankings möglichst exakte Durchklickwahrscheinlichkeiten zu hinterlegen, sondern eine handhabbare (und das heißt: Automatisierte!) Abschätzung der zu erwartenden Search-Traffics pro Keyword zu erwarten. Die Dimensionen sollen stimmen, nicht so sehr die exakten Zahlen. Entsprechend ordnet Excel mittels einer einfachen Verknüpfung (die dem dargelegten Schema entspricht) den einzelnen Rankings den jeweiligen GVI zu. In unserem Beispiel-GVR beträgt daher der GVI zum Keyword (bzw. Suchphrase) „100 beste Plakate“ 5%. Die Website rankt zu diesem Keyword auf Position 12, also auf der 2. Google-SERP. Excel ordnet daher diesem Keyword folgerichtig den GVI-Wert 5% zu (da aufgrund der Regel alle Rankings auf der 2. Google-SERP, also auf den Positionen 11-20, automatisch den GVI-Wert 5% bekämen).

Der in der Spalte I von Excel generierte Wert ist klar der entscheidende. Er gibt uns einen Ausblick darauf, mit welchem Volumen an Search-Traffic wir aufgrund der Google-Rankings, die unsere Website zu den einzelnen Keywords im Keyword Universe generiert, in etwa (!) rechnen können. Freilich ist das Ergebnis zu jedem einzelnen Keyword nur ein kleines Teil im großen Puzzle, welches der GVR abbildet. Die eigentlich interessante Information finden wir daher auch gleich ganz oben im GVR, in der Zeile 8:

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Dort sehen Sie ganz rechts den durchschnittlichen GVI über sämtliche Keywords, die im GVR abgebildet sind. Also die durchschnittliche Google-Sichtbarkeit der gesamten Seite. Hier fließen sämtliche Rankings, die die Seite erzielt, ein. In unserem Beispiel-GVR beträgt dieser durchschnittliche GVI 3,7%. Daraus ergibt sich dann entsprechend der gesamte zu erwartende Search-Traffic, der im Feld gleich links davon abgebildet wird. In unserem Beispiel-GVR beläuft sich dieser Wert auf 6.755.973 Annual Impressions.

Der Google Visibility Report (GVR) als Planungsinstrument

Wir hatten eingangs festgestellt, dass sich die Generierung von Search-Traffic über eine große Zahl von Long Tail-Keywords nicht ohne sorgfältige Planung und Nachhalten der täglichen Aktivitäten bewerkstelligen lässt. Der GVR liefert uns das notwendige Werkzeug, um beides zu leisten. Wir betrachten dazu zwei Szenarien: Ein Planungsszenario und ein Szenario, in dem die Planung im täglichen Tun umgesetzt wird.

Gehen wir einmal davon aus, dass wir bereits über eine Website wie unsere Beispiel-Website zum Thema 3D-Druck verfügen. Diese Website existiert bereits seit einiger Zeit, aber ihre Performance ist bislang noch nicht zufriedenstellend. Sie generiert zu wenig Traffic, den wir für geschäftliche Ziele auf der Seite nutzen, d.h. z.B. für die
Leadgenerierung einsetzen könnten, um auf diese Weise
Newsletter-Abonnenten zu generieren, die wir wiederum in Käufer unserer Produkte wandeln könnten. Wir können aus der bisherigen Performance der Website (also z.B. KPIs wie die Wandlung von Visits in Newsletter-Abonnenten) sowie unseren geschäftlichen Zielen, die wir mit der Website verfolgen (z.B. über versandte Newsletter generierte Verkäufe und Umsätze), möglicherweise ein Traffic-Ziel für die Website formulieren. Sprich: Wir können ermitteln, wie viel Traffic wir auf der Website brauchen, um diese Ziele zu erreichen.

Gehen wir weiterhin davon aus, dass der über Google generierte Search-Traffic ein wesentlicher (oder sogar der wichtigste) Bestandteil des Traffic-Mixes unserer Website ist, so ist klar, dass wir den GVR nutzen können, um über den durchschnittlichen GVI für den gesamten GVR zu ermitteln, wie hoch dieser durchschnittliche GVI sein müsste, um dieses Traffic-Ziel zu erreichen. Die Gleichung dazu ist simpel: Je höher der GVI, also die durchschnittliche Sichtbarkeit unserer Website ist, desto größer ist der Teil des gesamten in unserem GVR (bzw. unserem Keyword Universe) abgebildeten realen Suchvolumens hinter unserem Thema, den wir auf unsere Seite leiten können. Das bedeutet: Um den Search-Traffic auf unserer Seite zu erhöhen, müssen wir die durchschnittliche Google-Sichtbarkeit unserer Website (also den GVI) erhöhen. Und das wiederum bedeutet, dass wir zu einer Vielzahl von (überwiegend Long Tail-) Keywords die jeweilige Sichtbarkeit erhöhen müssen. Zu je mehr Keywords wir möglichst weit vorn ranken (d.h. idealerweise auf der 1. Google-SERP), desto höher ist die durchschnittliche Sichtbarkeit unserer Website.

Wir können also grundsätzlich den Gesamt-GVI im GVR als Planungs-KPI nutzen und ein entsprechendes Planungsziel formulieren, z.B. die Erhöhung der durchschnittlichen Sichtbarkeit unserer Website von (in unserem Beispiel) 3,7% auf 5%. Indem wir ein solches Ziel vorgeben, schaffen wir gleichzeitig die Notwendigkeit, dieses globale Ziel mit einzelnen Maßnahmen zu seiner Erreichung zu hinterlegen. Unser Content Marketing-Team bekommt entsprechend die Aufgabe, den gesamten GVR auf Ansatzpunkte und Möglichkeiten für die Erreichung dieses Zieles hin zu analysieren und entsprechend folgende Fragen zu beantworten:

  • Zu welchen Keywords hat unsere Website noch überhaupt keine Google-Sichtbarkeit (d.h. einen GVI von 0%) und warum ist das so?
    • Existiert kein Content, der zu diesen Keywords ranken könnte? Wenn ja: Wäre es sinnvoll, Content zu erstellen, der in absehbarer Zeit relevant ranken (d.h. auf den ersten drei Google-SERPs) könnte? Für die Beantwortung dieser Frage gibt uns der KCI eine erste Indikation.
    • Oder existiert Content, der aber lediglich jenseits der 3. Google-SERP rankt und damit de facto unsichtbar ist? Wenn ja: Woran liegt das? Ist der Content nicht relevant genug? Kann er überarbeitet und optimiert werden?
  • Zu welchen Keywords rankt unsere Website bereits auf den Google-SERPs 3 oder 2? Können diese Rankings verbessert werden (von der 3. SERP auf die 2., bzw. von der 2. SERP auf die 1.) Wenn ja: Wie? Kann der entsprechend rankende Content optimiert werden durch Überarbeitung, Aktualisierung, Ergänzung?
  • Gibt es möglicherweise generelle On-Site-SEO-Maßnahmen, die diese Rankings verbessern könnten (hierzu sollte ein SEO-Experte befragt werden)?

Natürlich muss hier im Einzelfall abgewogen werden, welche Maßnahmen mit welchem Aufwand welchen Erfolg versprechen. Am Ende steht dann ein kompletter Maßnahmenkatalog, den Ihr Content Marketing-Team Schritt für Schritt bearbeiten kann, um so sukzessive die Google-Sichtbarkeit zu erhöhen und damit den GVI in Richtung des Planzieles zu bewegen und den für die Erreichung Ihrer geschäftlichen Ziele notwendigen Search-Traffic auf die Website zu bringen. Nebenbei können Sie auf diese Weise auch überprüfen, ob diese geschäftlichen Ziele überhaupt realistisch sind. In einem hart umkämpften Markt eine Vielzahl von Rankings in vertretbarer Zeit sehr stark zu verbessern, um den durchschnittlichen GVI stark zu erhöhen, kann durchaus ein unrealistisches Ziel sein. In diesem Fall müssen Sie nach anderen Wegen suchen, um Ihre geschäftlichen Ziele zu erreichen. Eine Lösung könnte beispielsweise darin bestehen, den zunächst nur langsam steigenden Search-Traffic durch die Buchung von Google AdWords (und damit künstlich generierter, gekaufter Sichtbarkeit) zu ergänzen. Das bedeutet zusätzliche Ausgaben, aber möglicherweise bleibt Ihnen angesichts harter Konkurrenz und Zeitdruck keine andere Option. Mit Hilfe des GVRs jedoch können Sie eine solche strategische Entscheidung begründet treffen und sind nicht auf Mutmaßungen angewiesen.

Der Google Visibility Report (GVR) als Controlling-Instrument

Umgekehrt lässt sich der GVR natürlich auch als Werkzeug einsetzen, mit dem die Umsetzung der formulierten Ziele sowie einzelner Maßnahmen regelmäßig evaluiert und nachgehalten werden kann – also als Controlling-Instrument. Dafür muss der GVR natürlich regelmäßig (z.B. monatlich) aktualisiert werden. Damit dies rationell geschieht, bedarf es dazu Automatismen, die extra programmiert werden müssen. Ansonsten wäre eine manuelle Aktualisierung nicht mit vertretbarem Aufwand machbar. Es geht ja, je nach Thema, um hunderte, vielleicht mehr als tausend Keywords, zu denen die Rankings der eigenen Website jeweils aktualisiert und neu eingepflegt werden müssen.

Liegt ein regelmäßig aktualisierter GVR vor, so kann der Erfolg der einzelnen eingeleiteten Maßnahmen zur Verbesserung der durchschnittlichen Google-Sichtbarkeit (GVI) überprüft und nachgehalten werden. Freilich sollte hier insgesamt ein ausreichender Zeithorizont eingeplant werden, denn Erfolge bei der Generierung und Verbesserung von Google-Sichtbarkeit stellen sich oft nicht kurzfristig ein. Es hat also keinen Sinn, begonnene Maßnahmen bereits nach einem Monat wieder zu verwerfen, weil sich die erhofften Ergebnisse noch nicht sichtbar sind. Grundsätzlich können aber die einzelnen Maßnahmen nachverfolgt und bewertet werden. Eventuell muss an der einen oder anderen Stelle nachgebessert werden. Oder aber die Konkurrenz ist ganz einfach zu stark und Sie weichen besser auf andere, weniger umkämpfte Keywords aus, um Sichtbarkeit zu erzeugen.

Verlieren Sie bei der Fokussierung auf den durchschnittlichen GVI als relevanten KPI nicht aus den Augen, dass sich dieser aus einer Vielzahl von einzeln performenden Keyword-Rankings Ihrer Website zusammensetzt. Sinn des GVR ist es, all diese Rankings Ihrer Website zu einzelnen Long Tail-Keywords zu einer planbaren und analysierbaren Gesamtperformance zusammenzuführen und zu verdichten. Der Erfolg findet jedoch nach wie vor auf der Graswurzelebene der einzelnen Keywords und dem Content, der auf Ihrer Seite dazu rankt, statt. Das ist die Front, an der Ihr Content Marketing-Team tagtäglich kämpft. Als Führungskraft ist es Ihre Aufgabe, den Überblick zu behalten und die Ressourcen Ihres Teams optimal zu verteilen und an den richtigen Stellen einzusetzen. Der GVR kann dabei eine wertvolle Hilfe sein, sofern Sie ihn richtig einsetzen.

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